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Was bedeutet eigentlich “Airbrush”?
Das Wort “Airbrush” kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt “Luftbürste” bzw.
“Luftpinsel” (dieser Begriff wird überwiegend in Österreich verwendet). Bei uns in Deutschland wurde aus dem Gerät die “Spritzpistole”.
Seit wann gibt es die Airbrush-Technik?
Das der Arbeitsweise “Airbrush” zugrunde liegende physikalische Gesetz wurde bereits ca. 1730 von dem Schweizer
Physiker Daniel Bernoulli beschrieben. Vereinfachter Inhalt: “In der näheren Umgebung eines schnell strömenden Mediums entsteht Unterdruck”.
Bereits in der Steinzeit (vor ca. 25-30.000 Jahren), zur Zeit der Aurignac-Menschen, schienen unsere Vorfahren - wie in den
berühmten Höhlen von Lascaux und Pech-Merle in Südfrankreich noch heute zu sehen ist - eine ähnliche Methode gekannt zu haben. Die Farbpartikel (rötlicher Ockerstaub aus Lehmerde) wurden mittels
zweier miteinander verbundener Röhrenknochen - wie mit einer Fixativspritze - oder aber durch ein Bastrohr - auf den Untergrund gespritzt, wobei die eigene Hand oder ein paar Blätter als Schablone
dienten.
Im Japan des 17. Jahrhunderts sowie im späteren 19. Jahrhundert in Amerika und Europa belegen Malereien, daß bereits Arbeiten
mit dem Luftpinsel ähnlichen Geräten durchgeführt wurden.
Das erste Grundkonzept für den Luftpinsel wird einem gewissen Abner Peeler zugeschrieben, der 1878 eine Spritzpistole entwarf.
Peeler verkaufte dann Patent und weltweites Nutzungsrecht an einen Liberty Walkup, welcher seinerseits 1883 die Rockford Airbrush Company gründete.
Ein amerikanisches Patent aus dem Jahre 1888, das als Entwurf eines Gehäuses für einen Luftpinsel bezeichnet werden kann,
beweist, daß sich zwischen 1885 und 1893 schon einige ideenreiche Tüftler mit dieser Materie auseinandersetzten.
Der amerikanische Aquarellmaler Charles L. Burdick entwickelte ein mechanisches Gerät, mit dem er gleichmäßige Farbschichten
auftragen konnte, ohne mit herkömmlichen Haarpinseln zu arbeiten. Er bastelte eine Flüssigkeitsspritze mit integrierter Nadel und Luftkappe, durch die er Luft blies. Die Farbe wurde angesogen und durch
eine winzige Düse auf einen Zeichenkarton oder ein anderes Medium aufgetragen.
Burdicks “A-Modell” hatte bereits eine Düse mit der Bohrungsgröße 0,18 mm und einen innenliegenden Farbnapf, der
Luftschlauch wurde aufgesteckt (es gab noch keine Schraubverbindungen). 1893 ließ er seinen “Aerographen” in England patentieren und fertigte und vertrieb diese Geräte in seiner Firma
“Fountain Brush”. Die Verbreitung des “Aerographen” (damals wurde das Arbeiten mit diesen Geräten aerographieren genannt) ging rasch voran.
Es tauchten Namen wie Jens A. Paasche, ein in die Vereinigten Staaten emigrierter norwegischer Waffenschmied, und Dr. Alan
DeVilbiss auf. Beide waren nicht nur die Urväter der Spritzpistolen-Technik, sondern auch die geistigen Erfinder zahlreicher Entwicklungen. Paasche entwickelte den sogenannten
“Turbo-Luftpinsel”. Die ehemalige Paasche-“AB Turbo” ist mit ihrer luftangetriebenen Turbine (durchschnittliche Drehzahl von 20.000 U/min) die wohl am weitesten entwickelte und
technische Spritzpistole, die seit 1912 nur in kleinen Details verändert wurde. Im übrigen erfand er den Spritzradierer (ein Miniatur-Sandstrahlgebläse, das genau wie eine Spritzpistole arbeitet,
jedoch feines Schleifpulver spritzt).
Dr. Alan DeVilbiss erarbeitete und vervollkommnete als weitere bedeutende Neuerung das Saugsystem für die Airbrush-Technik, das
später von vielen namhaften Herstellern aufgegriffen wurde.
Charles L. Burdick und DeVilbiss waren nicht nur Freunde, sondern auch Geschäftspartner.
DeVilbiss und Paasche sind Firmen, die auch heute noch existieren und viele Neuerungen auf den Markt brachten.
Während der 30er und 40er Jahre stagnierte die Entwicklung auf dem Airbrush-Sektor. Es gab kaum Veränderungen in der
Konstruktion - nur das äußere Design wurde geändert. Erst in den späten 50er Jahren wurde das Interesse an der Spritzpistolentechnik wieder größer.
Zunächst wurde die Arbeit mit der Airbrushpistole nicht als besondere künstlerische Leistung anerkannt. Die Royal Academy
hielt Burdick’s Werkzeug z.B. für zu mechanisch und ließ es infolgedessen nicht zu. Es bestand die irrige Auffassung, daß mit mechanischer Hilfe gemalt würde und so kaum Ausdruck entstehen
könne. So fand die Airbrush-Technik vorerst ihren Platz in der Fotoretusche, in handwerklichen Bereichen (Puppentischler, Bastler, Modellbauer) sowie in der Dekorations-, Stoff- und Keramikherstellung.
In den frühen 60er Jahren gründete Walter A. Schlotfeldt, ein bekannter Maschinenbauingenieur und Werkzeugmacher, die Badger
Airbrush Company, welche sich schnell zum Großanbieter entwickelte. Schlotfeldt stattete die Badger-Spritzpistolen mit einigen zusätzlichen Feinheiten aus und bereits 1964 produzierte Badger große
Stückzahlen der Modelle 100 XF, 100 IL und 150. Die Neuerungen bestehen aus der Nadelführung aus Teflon (für besseren Halt und problemloses Gleiten), der Teflon-Kopfdichtung sowie dem
Doppelfunktionshebel.
Der nächste große Airbrush-Boom kam Ende der 60er Jahre. Das Bemalen von Fahrzeugen aller Art kam groß in Mode.
Bis heute gibt es kein Instrument auf dem Kunstmarkt, mit dem man ein größeres Anwendungsspektrum erreichen kann - auf allen
Untergründen. Dies alles verdanken wir der Einfachheit der Grundidee. Der erste Luftpinsel hatte große Ähnlichkeit mit den heutigen Geräten. Natürlich wurde die Genauigkeit und die Zuverlässigkeit
im Laufe der Zeit verbessert - jedoch das Prinzip mit den wesentlichsten Teilen (Düse, Nadel, Düsenkappe) blieb bis heute unverändert.
Quellen aus den Büchern: “Airbrush - Neue Ideen” von Peter Owen und C. Michael Mette - Augustus-Verlag 1995
“Handbuch Airbrush” von Knud Tiroch/Rupert Leutgeb - Englisch-Verlag 1994 “Airbrush” von Carl Caiati - Edition Michael Fischer, Stuttgart, 1983 - 5. Aufl. 1991
Copyright: Heidi Weißlein 1997
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